Ausgabe November 2002

Mazedonische Hausaufgaben

Am 15. September waren 1 664 296 wahlberechtigte Bürger der Republik Mazedonien aufgefordert, ein neues Parlament zu wählen. Nach Ansicht heimischer und internationaler Beobachter erbrachte die Wahl drei „Rekorde“: Zum Ersten gaben 1 216 339 Wähler ihre Stimme ab, was eine für balkanische Verhältnisse enorme Wahlbeteiligung von 75,2% ergibt. Zum Zweiten waren es die „friedlichsten Wahlen der vergangenen zwölf Jahre“, wie der bisherige Ministerpräsident Ljupčo Georgievski sagte. Niemand widersprach ihm. Und zum Dritten hat die mazedonische Öffentlichkeit mit Seelenruhe den Fortgang der Ereignisse hingenommen, was so nicht zu erwarten gewesen war.

Zudem verblüffte das Wahlergebnis in seiner Eindeutigkeit. Bereits wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale räumte Georgievski die Niederlage seiner Koalition – bestehend aus seiner gemäßigt nationalistischen VMRO-DPMNE, Stojan Andovs Liberalen (LPM) und Arben Xhaferis Demokratischer Partei der Albaner (DPA) – unumwunden ein. Dreieinhalb Jahre musste die Regierung mit dem Vorwurf wirtschaftspolitischer Inkompetenz leben, im letzten halben Jahr legte sie noch einen furiosen Endspurt hin und schüttete über dem Land ein Füllhorn von Investitionen, Bauten, Reformen (zum Beispiel Abbau der staatlichen Bürokratie), Wiedergutmachungen (von Enteignungen aus der Tito-Ära) etc.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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