Ausgabe November 2002

Gesucht: Europa als strategische Idee

Die transatlantischen Missverständnisse erhalten in der gegenwärtigen Phase der Erhitzung des öffentlichen Klimas in Amerika eine besondere Eigendynamik: Die Dramatik, von der amerikanischen Medienwelt gekonnt inszeniert, weist in Richtung eines Krieges gegen den Irak. „Showdown Irak“ ist die mediale Überschrift, mit der die Öffentlichkeit auf die Realität des bevorstehenden Krieges vorbereitet wird. Der Terror hat die amerikanische Nation existenziell getroffen. Selbst die letzte verbliebene Supermacht kann den Schutz ihrer Bürger nicht garantieren. Dies ist ein völlig neuer Horizont für ein Land, das sich in seiner Geschichte weitestgehend als von außen unangreifbar verstehen konnte. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen Amerikas lagen traditionell außerhalb der eigenen Grenzen. Überall, wo der amerikanische Traum von der Freiheit bedroht erschien, war das Ethos der Vereinigten Staaten gefordert – im geteilten Deutschland, in Berlin, in Vietnam, in Somalia und anderswo. Jetzt aber wurde erstmals die Gefährdung der eigenen Nation zur traumatischen Erfahrung.

In der amerikanischen Antwort, im Krieg gegen denTerror, ist nun aus amerikanischer Sicht nicht primär Freundschaftspathos gefragt, sondern handfeste europäische Leistung.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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