Das Internet nahm als technische Basis einer neuen Informationsund Kommunikationsinfrastruktur in den 90er Jahren einen fulminanten Aufschwung. Während E-Mails lange Zeit ein Randdasein fristeten, sind sie im Laufe des Jahrzehnts zu einem neuen Medium der Massenkommunikation geworden. Daneben entwickelte sich das 1990 entstandene World Wide Web zur zweiten zentralen Anwendung des Internet. 1) Zurzeit gibt es bereits etwa 130 Millionen User in Europa (davon ca. 30 Millionen in Deutschland), weltweit dürften es etwa 400 Millionen Menschen sein. Die kommerziellen Angebote rund um das Internet stecken freilich noch in den Kinderschuhen. Im Business-to-Consumer-Bereich (B2C), dem online-shopping, das bislang vor allem vom Verkauf von Büchern, Musik, Software, Computerzubehör und Reisen lebt, wurden in Deutschland 2001 Umsätze von fünf Mrd. Euro erzielt. Für 2002 wird ein Anstieg auf gut acht Mrd. Euro erwartet. Dies entspricht einem Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz von lediglich ca. 1,6%, der übrigens auch in den USA nicht höher liegt. Im Business-to-Business-Segment (B2B), dem Handel zwischen Unternehmen, dem allgemein das weitaus größere ökonomische Potential zugeschrieben wird, begann man in den vergangenen Jahren mit dem Aufbau elektronischer Marktplätze, über die Unternehmen ihre Beschaffungen und Transaktionen abwickeln können.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.