Ausgabe Januar 2003

Die neue Ernsthaftigkeit

Politik in postironischen Zeiten

Vor drei Jahren erzielte der damals erst vierundzwanzigjährige Jedediah Purdy mit seiner Streitschrift „For Common Things“ großes Aufsehen in Amerika. Aufgewachsen in der tiefsten Provinz West Virginias, forderte der junge Harvard-Student seine Landsleute auf, ihre Haltung des distanzierten Egoismus zu verlassen und sich den öffentlichen Angelegenheiten zuzuwenden. Jetzt ist das Buch auch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel „Das Elend der Ironie“ erschienen. Doch wie hat sich die Haltung der Amerikaner seit dem 11. September verändert? Wie verträgt sich Ironie mit Terror und Krieg? Und wo zeigen sich möglicherweise Ansätze einer Repolitisierung der amerikanischen Gesellschaft? Die „Blätter“ sprachen mit Purdy anlässlich der Vorstellung seines Buches in Berlin. – D. Red.

„Blätter:“ In Ihrer Analyse der amerikanischen Gesellschaft diagnostizieren Sie Politikflucht, den Rückzug ins Private und verbreitete Politikverdrossenheit als dominierende Haltungen der Bevölkerung – alles Phänomene, die wir auch in Europa erleben.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Uganda vor dem Putsch des Löwen?

von Johanna-Marie Lange

Es war kurz nach Mitternacht Ende Juni, als Soldaten das Gebäude der Nation Media Group in Ugandas Hauptstadt Kampala stürmten und den wichtigsten unabhängigen Fernsehkanal NTV abschalteten. Auch die älteste und größte unabhängige Tageszeitung »Daily Monitor« wurde geschlossen.

Kuba am Abgrund: Wo bleibt die EU?

von Sandra Weiss

Als 1989 die Berliner Mauer fiel, sich kurz danach die Sowjetunion auflöste und langjährige kommunistische Verbündete wie Vietnam und China einen wirtschaftlichen Reformprozess starteten, schien auch auf Kuba der Moment des Umbruchs gekommen.