Ausgabe Januar 2003

Die neue Ernsthaftigkeit

Politik in postironischen Zeiten

Vor drei Jahren erzielte der damals erst vierundzwanzigjährige Jedediah Purdy mit seiner Streitschrift „For Common Things“ großes Aufsehen in Amerika. Aufgewachsen in der tiefsten Provinz West Virginias, forderte der junge Harvard-Student seine Landsleute auf, ihre Haltung des distanzierten Egoismus zu verlassen und sich den öffentlichen Angelegenheiten zuzuwenden. Jetzt ist das Buch auch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel „Das Elend der Ironie“ erschienen. Doch wie hat sich die Haltung der Amerikaner seit dem 11. September verändert? Wie verträgt sich Ironie mit Terror und Krieg? Und wo zeigen sich möglicherweise Ansätze einer Repolitisierung der amerikanischen Gesellschaft? Die „Blätter“ sprachen mit Purdy anlässlich der Vorstellung seines Buches in Berlin. – D. Red.

„Blätter:“ In Ihrer Analyse der amerikanischen Gesellschaft diagnostizieren Sie Politikflucht, den Rückzug ins Private und verbreitete Politikverdrossenheit als dominierende Haltungen der Bevölkerung – alles Phänomene, die wir auch in Europa erleben.

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