Ausgabe Februar 2003

Hollywood-Guerilla

Michael Moore wurde in der US-Kleinstadt Flint in Michigan geboren und wuchs als ein „all American kid“ auf: Pfadfinder, Sportfan, Freizeitjäger. In der Highschool initiierte er eine Schülerzeitung, schrieb ein parodistisches Weihnachtsspiel – beide wurden verboten. Eine Weile dachte er daran, Priester zu werden, dann entschied er sich für Journalismus, hielt es aber an der University of Michigan nur ein paar Wochen aus. Er ging zurück, verkaufte das Haus seiner Eltern und organisierte ein wöchentliches Bingo-Spiel. Das Geld steckte er in seine erste Filmdokumentation, einen kritischen Bericht über das traurige Leben in seiner Heimatstadt Flint unter der Herrschaft des ortsansässigen General Motors- Konzerns.

Am 20. April 1999 dringen die beiden Schüler Eric und Dylan in die Columbine High School in Littleton, Colorado, ein und erschießen 12 Mitschüler und einen Lehrer, bevor sie sich selbst umbringen. Kurz zuvor hat in Flint ein Sechsjähriger seine gleichaltrige Mitschülerin erschossen. Michael Moore beschließt, eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit in der National Rifle Association (NRA) zu beantragen – die Bedingung, um für den Posten des Vorsitzenden zu kandidieren, der damals (und bis heute) von Charlton Heston, Hollywood- Star und vielfacher Oskarpreisträger, bekleidet wird.

Sie haben etwa 29% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 71% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.