Ausgabe Juli 2003

Russlands neue Rolle im transatlantischen Beziehungsgeflecht

Der Irak-Konflikt und besonders die völkerrechtswidrige Militäraktion der USA und ihrer Verbündeten gegen den Irak verdeutlichten erneut das Grundproblem der russischen Außenpolitik seit dem Zerfall der Sowjetunion, die Einordnung Russlands in das internationale Beziehungsgefüge und seine Rolle in der Weltpolitik. Vor dem Hintergrund der Differenzen zwischen den USA und westeuropäischen Staaten, insbesondere Frankreich und Deutschland, über das Vorgehen im Irak-Konflikt war die Haltung Russlands vor allem darauf gerichtet, die bestehenden völkerrechtlichen Normen und internationalen Mechanismen zur Konfliktvermeidung und -regulierung zu erhalten, um dadurch eigene Mitspracherechte in den internationalen sicherheitspolitischen Angelegenheiten zu bewahren.

Zugleich war die russische Führung bemüht, die Grundlagen der sicherheitspolitischen Partnerschaft sowohl mit den USA als auch mit Westeuropa nicht zu gefährden. Ausgehend davon trat Russland für die bedingungslose und unverzügliche Erfüllung aller Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zur Abrüstung durch den Irak sowie für die Kontrolle der Erfüllung aller UN-Auflagen durch die internationalen Inspektoren ein und sprach sich auch nach der Annahme der Resolution 1441 des UN-Sicherheitsrats vom November 2002 gegen die Anwendung militärischer Gewalt aus.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.