Ausgabe August 2003

Aktive Asymmetrie

Neubestimmung der Sicherheitspolitik im euro-atlantischen Kontext

Für die Bundeswehr gelten seit dem 21. Mai neue Verteidigungspolitische Richtlinien. Der Europäische Rat in Thessaloniki billigte am 20. Juni erstmals Grundzüge einer sicherheitspolitischen Strategie für die Staaten der Europäischen Union. Beide Dokumente sind nach Anspruch und Aussage Ausdruck der Tatsache, dass die sicherheitspolitische Diskussion in Europa wieder in Bewegung geraten ist. Die Bewegungsrichtung machen zwei Zitate deutlich. In dem von Javier Solana verantworteten Dokument mit dem Titel "Ein sicheres Europa in einer besseren Welt"1 heißt es: "Als Zusammenschluss von 25 Staaten mit mehr als 450 Millionen Menschen, die ein Viertel des Bruttosozialprodukt (BSP) der Erde erwirtschaften, ist die Europäische Union – ob es einem gefällt oder nicht – ein globaler Akteur. Sie sollte bereit sein, ihren Teil der Verantwortung für die globale Sicherheit zu tragen." In den Verteidigungspolitischen Richtlinien findet sich die Aussage: "Künftige [Bundeswehr-]Einsätze lassen sich wegen des umfassenden Ansatzes zeitgemäßer Sicherheits- und Verteidigungspolitik weder hinsichtlich ihrer Intensität noch geographisch eingrenzen. Der politische Zweck bestimmt Ziel, Ort, Dauer und Art des Einsatzes."

Nichts Geringeres als eine Neubestimmung der sicherheitspolitischen Rolle Deutschlands und Europas steht zur Debatte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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