Ausgabe Mai 2005

George Kennan und der Kalte Krieg

George F. Kennan, der Mitte März im Alter von 101 Jahren starb, ist in seiner wahren Bedeutung verkannt worden. Diese lag in dem Humanismus und dem wachen Bewusstsein für kulturelle Werte, die er in die Auseinandersetzung um die außenpolitischen Aufgaben dieser Nation einbrachte. An die Eindämmungsstrategie des Kalten Krieges (containment), deren Urheber Kennan ist, erinnert man sich gewöhnlich in den Kategorien materieller und militärischer Stärke. Das lag nicht in seiner Absicht.

In den 1947 und 1951 veröffentlichten Artikeln, in denen Kennan seine Argumente vortrug, heißt es: "Jegliche Botschaft, die wir anderen möglicherweise übermitteln möchten, wird nur dann Wirkung zeigen, wenn sie mit unserem Selbstverständnis in Einklang steht und wenn dieses hinreichend beeindruckend wirkt, um sich in einer Welt Respekt und Vertrauen zu verschaffen, die ungeachtet aller ihrer materiellen Schwierigkeiten geistige Überlegenheit immer noch bereitwilliger anerkennt und respektiert als materiellen Überfluss. [...] Das soll nicht heißen, dass viele jener Dinge, die heute das öffentliche Bewusstsein beschäftigen, nicht fraglos ihre Bedeutung haben: Dinge wie physische Stärke, Rüstung, Entschlossenheit und Solidarität mit den anderen freien Nationen [...].

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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