Ausgabe Mai 2005

Kommentare

Die Antigonen des AA

Als vor zweieinhalb Jahrtausenden die Antigone des Sophokles uraufgeführt wurde, stand die Hauptgestalt nur in einfacher Ausfertigung auf der Bühne. Das moderne Regietheater hat es inzwischen mit sich gebracht, dass die Jungfrau von Orleans, Faust, Gretchen doppelt, fünffach oder zehnfach auf die Bühne geworfen werden.

Rot-Grün: Ende oder Wende

Angst geht um bei Rot-Grün kurz vor der Wahl am Rhein: Bei über 5 Millionen Arbeitslosen ist Schluss mit lustig, sinken Kompetenz- und Umfragewerte, steht Wahlkämpfern und Mandatsträgern die Panik im Gesicht. Immer neue Krisen verunsichern die Wähler: Parallel zum Arbeitslosenhöchstand entzaubert die Visa-Affäre Joschka Fischer und die Grünen.

Superhorst kann nicht fliegen

Zunehmend etabliert sich eine Person als der wahre Gegenspieler des Bundeskanzlers: Bundespräsident Horst Köhler – von der "Bild"-Zeitung bereits als "Superhorst" tituliert. Sein strategisches Konzept für die zukünftige ökonomische Ausrichtung der Bundesrepublik präsentierte er in seiner viel beachteten Rede vor dem Bundesverband der deutschen Arbeitgeber am 15. März.

Homoeheähnlich

Durch das Lebenspartnerschaftsgesetz erhielten gleichgeschlechtliche Paare 2001 mit der Homoehe die Möglichkeit, eine rechtlich kodifizierte Bindung einzugehen. Seitdem können sie wählen, ob sie die amtliche Form der Beziehung eingehen wollen oder nicht.

Der Fall Wolfowitz

Am 16. März 2005 präsentierte US-Präsident George W. Bush der Weltöffentlichkeit den stellvertretenden US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz als seinen Wunschkandidaten für die Neubesetzung des Amtes des Weltbankpräsidenten. Schon seit Wochen hatten wilde Spekulationen über die Nachfolge des noch bis zum 31. Mai amtierenden James Wolfensohn stattgefunden.

Multilaterale Renaissance?

Die Bush-Regierung rückt von ihrem strikten Unilateralismus ab. Zumindest suggerierten dies in letzter Zeit die Europareisen von Präsident Bush, Außenministerin Rice und Verteidigungsminister Rumsfeld. Der Grundtenor ihrer aller Aussagen war, dass die USAußenpolitik global nicht ohne und schon gar nicht gegen ihre Partner agieren könne. Bereits im letzten Jahr hatte George W.

Kirgisischer Betriebsunfall

Der ehemalige kirgisische Präsident Aksar Akajew wurde bis Mitte der 90er Jahre wegen seiner demokratischen Reformen als "Thomas Jefferson Zentralasiens" bezeichnet. Von diesem Ruf zehrte er lange – wenn auch zuletzt nicht mehr zu Recht.

Kolumne

George Kennan und der Kalte Krieg

George F. Kennan, der Mitte März im Alter von 101 Jahren starb, ist in seiner wahren Bedeutung verkannt worden. Diese lag in dem Humanismus und dem wachen Bewusstsein für kulturelle Werte, die er in die Auseinandersetzung um die außenpolitischen Aufgaben dieser Nation einbrachte.

Analysen und Alternativen

Holocaust und Vertreibung

Der dem Rechtsradikalismus zuneigende Historiker Ernst Nolte beklagte vor gut 20 Jahren, dass die nationalsozialistische Vergangenheit nicht vergehen wolle. Daran war so viel richtig, als historische Vergangenheiten nur so weit präsent und lebendig sind, wie es Menschen gibt, die sich ihrer erinnern wollen.

Niederlage, Befreiung oder Sieg

Der Umgang mit dem 8. Mai spiegelt die geistige Verfassung der Bundesrepublik wie ansonsten wohl nur jener mit dem 9. November. Bereits zum ersten, kleinen Jubiläum, nämlich 1950, wurde seitens der ersten Bundesregierung erwogen, den 8. Mai zu einem Gedenktag der Bundesrepublik zu machen.

Rückkehr der Führer?

Wer sich vor zwei Jahrzehnten mit dem organisierten europäischen Rechtsextremismus befasste, war entweder Historiker oder Sektologe. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: In der Gegenwart gab es keine rechten Massenparteien. Wer solche studieren wollte, erforschte die geschichtlichen Formationen.

Unter Freunden?

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland haben sich seit dem Ende des Ost-West-Konflikts grundlegend gewandelt. 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind sie weitgehend unbelastet von der Vergangenheit – zumindest für die politischen Eliten beider Länder.

Europas Platz an der Sonne

Am 6. November 2004 geriet Frankreich in seiner ehemaligen "Vorzeige- Kolonie", der Elfenbeinküste, unter Beschuss. Der Angriff der ivorischen Luftwaffe auf ein Lager der französischen Armee in der Nähe der Stadt Bouaké tötete neun französische Soldaten und einen US-Bürger.

Diskrete Treuhänder

Seit geraumer Zeit ist die "Rückkehr der Armut" in den medialen Debatten der Bundesrepublik angekommen. Dass es, förmlich spiegelbildlich, auch zu einer enormen Zunahme des Reichtums kommt, wird dagegen zumeist geflissentlich verschwiegen. Dabei sind längst Tendenzen in Richtung einer "Refeudalisierung" des Geldadels zu beobachten.

Stellenabbau trotz Milliardengewinn

Die öffentliche Empörung war groß: Kaum hatte die Deutsche Bank AG angekündigt, trotz eines Jahresgewinns von gut 2,5 Mrd. Euro mehr als 6400 Arbeitsplätze abzubauen, hagelte es Kritik. "Schweinerei" und "Gier" schallte es den Bankern entgegen.

Kunst und Freihandel

Kaum ein Thema dürfte derzeit strittiger sein als die Frage, ob der bereits eingeleitete weltweite Prozess der Öffnung von Märkten für ausländische Güter und Dienstleistungen "kulturverträglich" gestaltet werden kann.

Medienkritik

Sex in der Vorstadt

Dem "Stern" war der Start der neuen USSerie Desperate Housewives bei PRO 7 eine Sonderaktion wert, dem letzten Heft lag eine DVD mit der ersten Folge bei. Der Sender hat sicherlich viel bezahlt dafür, was die Redaktion prompt mit einer Geschichte belohnte, die selbst der Tod der Papstes nicht ganz vom Titelblatt verdrängen konnte.

Wirtschaftsinformation

Standortkonkurrenz und nationale Innovationspolitik

Die Technologie-, Innovations- und Industriepolitik folgt allerorten einer dezidiert kompetitiven Zielsetzung: der Sicherung der technologischen Leistungsfähigkeit sowie der Profilierung des eigenen Wirtschafts- und Innovationsraums in der internationalen Konkurrenz der Standorte.

Umweltinformation

Feinstaub - zur Dramaturgie einer absehbaren Krise

Im Frühjahr 2005 ist Feinstaub in aller Munde. Wie kommt es zu dieser plötzlichen Hingabe an ein Umweltthema, dessen Bedeutung in der Fachwelt seit Jahren bekannt ist? Vordergründig ist die Antwort einfach: Durch das Inkrafttreten der Richtlinie 1999/30/EG des Europäischen Rates gelten ab 1. Januar 2005 neue Grenzwerte.

Dokumente zum Zeitgeschehen