Ausgabe Mai 2005

Der Fall Wolfowitz

Am 16. März 2005 präsentierte US-Präsident George W. Bush der Weltöffentlichkeit den stellvertretenden US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz als seinen Wunschkandidaten für die Neubesetzung des Amtes des Weltbankpräsidenten. Schon seit Wochen hatten wilde Spekulationen über die Nachfolge des noch bis zum 31. Mai amtierenden James Wolfensohn stattgefunden. Doch selbst viele für gewöhnlich gut Informierte zweifelten bis zum Schluss daran, dass die US-Regierung den Hardliner tatsächlich nominieren würde.

Immerhin lag die fehlende fachpolitische Eignung von Wolfowitz auf der Hand: Weder kann er im Bankgeschäft noch in der Entwicklungspolitik Erfahrungen, geschweige denn Erfolge vorweisen. Schwerer wiegt jedoch sein zweifelhaftes Renommee als Hauptstratege des Irakkrieges, den er unter bewusster Missachtung völkerrechtlicher Standards mit Hilfe später offen von ihm zugegebener Falschinformationen durchzusetzen half. Dieses klare Bekenntnis zum Unilateralismus macht ihn an der Spitze der zentralen internationalen Entwicklungsbank schlicht inakzeptabel.

Heftige Ablehnung kam denn auch prompt von Seiten der Entwicklungsund Schwellenländer, die die Nominierung als klare Provokation auffassten. Vor allem in der arabischen Welt war von einer Katastrophe die Rede. Jedoch sogar aus der Weltbank selbst drangen kritische Stimmen nach außen.

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