Ausgabe Oktober 2022

Nachhaltige Finanzen: Nur mit »Guter Arbeit«!

IMAGO / Ikon Images Roy Scott

Bild: IMAGO / Ikon Images Roy Scott

Mit dem heutigen Finanzmarkt wird der notwendige sozial-ökologische Wandel nicht gelingen, der Finanzsektor müsse radikal geschrumpft und umgebaut werden, forderte Gerhard Schick in der September-Ausgabe der »Blätter«. Dabei komme es insbesondere darauf an, bei der Zertifizierung von »nachhaltigen« Finanzprodukten neben ökologischen auch soziale Kriterien genauso streng zu berücksichtigen, argumentiert Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Als „nachhaltig“ zertifizierte Finanzprodukte stehen immer wieder in der Kritik, ihrem Anspruch nicht gerecht zu werden. Das neue EU-Nachhaltigkeitslabel, die sogenannte Taxonomie, soll dieses „Greenwashing“ verhindern. Doch seit diesem Sommer hat das Label ein Glaubwürdigkeitsproblem: Im Juli stimmte das Europäische Parlament dem Vorschlag der EU-Kommission zu, Investitionen in Atom- und Gasanlagen als nachhaltige wirtschaftliche Tätigkeit zu klassifizieren. Diese Entscheidung wurde nicht nur von Umweltverbänden, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit als Rückschlag für das europäische Klassifizierungssystem für Nachhaltigkeit gewertet. Die Einstufung von Gas und Atomkraft als „grün“ fördere die fälschliche Klassifizierung von Finanzprodukten als ökologisch nachhaltig und schade dem Ansehen des neuen EU-Nachhaltigkeitslabels, monierten viele Kritiker*innen.

Oktober 2022

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Wirtschaftspolitik ohne Verstand: Lockert die Steuerbremse!

von Axel Stommel

Es soll ein „Herbst der Reformen“ werden, kündigen Union und SPD lautstark an. Angesichts der ernüchternden Realität einer Finanzierungslücke von 172 Mrd. Euro, die im Bundeshaushalt zwischen den Jahren 2027 und 2029 klafft, ist die bei jeder Gelegenheit beschworene Aufbruchstimmung nur allzu verständlich.