Ausgabe Oktober 2022

Nachhaltige Finanzen: Nur mit »Guter Arbeit«!

IMAGO / Ikon Images Roy Scott

Bild: IMAGO / Ikon Images Roy Scott

Mit dem heutigen Finanzmarkt wird der notwendige sozial-ökologische Wandel nicht gelingen, der Finanzsektor müsse radikal geschrumpft und umgebaut werden, forderte Gerhard Schick in der September-Ausgabe der »Blätter«. Dabei komme es insbesondere darauf an, bei der Zertifizierung von »nachhaltigen« Finanzprodukten neben ökologischen auch soziale Kriterien genauso streng zu berücksichtigen, argumentiert Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Als „nachhaltig“ zertifizierte Finanzprodukte stehen immer wieder in der Kritik, ihrem Anspruch nicht gerecht zu werden. Das neue EU-Nachhaltigkeitslabel, die sogenannte Taxonomie, soll dieses „Greenwashing“ verhindern. Doch seit diesem Sommer hat das Label ein Glaubwürdigkeitsproblem: Im Juli stimmte das Europäische Parlament dem Vorschlag der EU-Kommission zu, Investitionen in Atom- und Gasanlagen als nachhaltige wirtschaftliche Tätigkeit zu klassifizieren. Diese Entscheidung wurde nicht nur von Umweltverbänden, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit als Rückschlag für das europäische Klassifizierungssystem für Nachhaltigkeit gewertet. Die Einstufung von Gas und Atomkraft als „grün“ fördere die fälschliche Klassifizierung von Finanzprodukten als ökologisch nachhaltig und schade dem Ansehen des neuen EU-Nachhaltigkeitslabels, monierten viele Kritiker*innen.

Oktober 2022

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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