Ausgabe Mai 2005

Europas Platz an der Sonne

Afrika und die europäische Sicherheitspolitik

Am 6. November 2004 geriet Frankreich in seiner ehemaligen "Vorzeige- Kolonie", der Elfenbeinküste, unter Beschuss. Der Angriff der ivorischen Luftwaffe auf ein Lager der französischen Armee in der Nähe der Stadt Bouaké tötete neun französische Soldaten und einen US-Bürger. Ein schnell ausgeführter Gegenschlag zerstörte die ivorische Luftwaffe, die allerdings lediglich aus zwei Kampfflugzeugen und vier Helikoptern bestand. In der Folge kam es zu wütenden Protesten und antifranzösischen Ausschreitungen, die nicht nur zu einem Massenexodus französischer Staatsbürger führten, sondern mindestens 64 Ivorer das Leben kosteten. Frankreichs größte Militäroperation auf dem afrikanischen Kontinent war damit gescheitert, seine Rolle als Vermittler im Konflikt beschädigt.

Am 11. März 2005 präsentierte der britische Premierminister Tony Blair in London den Bericht der unter seinem Vorsitz eingerichteten Commission for Africa. Die Empfehlungen dieses Berichts sollen nach dem Willen Blairs sowohl von der G 8 als auch von der EU umgesetzt werden. Neben Armutsbekämpfung und dem Aufbau stabiler staatlicher Einrichtungen fordert die Blair-Kommission ein koordiniertes Engagement der internationalen Gemeinschaft für Frieden und Sicherheit auf dem afrikanischen Kontinent. Frankreich und Großbritannien stehen traditionell für zwei unterschiedliche Ansätze in der Afrikapolitik.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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