Ausgabe Mai 2005

Unter Freunden?

Die deutsch-russische Interessenallianz

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland haben sich seit dem Ende des Ost-West-Konflikts grundlegend gewandelt. 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind sie weitgehend unbelastet von der Vergangenheit – zumindest für die politischen Eliten beider Länder. Es gibt zwischen Deutschland und Russland weder ungeklärte Territorialfragen (auch nicht Königsberg/Kaliningrad) noch ethnisch-religiöse Spannungen, wie sie andernorts das Verhältnis zwischen Staaten vergiften. Strittige Themen wie die kaum gelöste Beutekunstfrage oder die Rehabilitierung der in Russland lebenden deutschen Minderheit belasten es nicht wirklich.

Während in Russland die Beziehungen zur Bundesrepublik kein Thema zu sein scheinen, werden diese hierzulande jedoch immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Der herzliche gegenseitige Umgang der deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder mit den russischen Präsidenten Boris Jelzin und Wladimir Putin hat die jeweilige Opposition und auch die deutsche Öffentlichkeit schon mehrfach irritiert, weil brisante Themen wie Tschetschenien unter Verweis auf die Vorzüge der "stillen Diplomatie" in den Gesprächen der beiden Staatschefs ausgeklammert wurden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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