Ausgabe November 2025

Verbrecherische Komplizen: Libyen und die EU

Flüchtende werden von einem Schlauchboot auf die »Ovean Viking« gerettet. Im August 2025 beschoss ein Patrouillenboot der libyschen Küstenwache die das Rettungsschiff, 29.4.2025 (IMAGO / ZUMA Press Wire / Javier Alvarez)

Bild: Flüchtende werden von einem Schlauchboot auf die »Ovean Viking« gerettet. Im August 2025 beschoss ein Patrouillenboot der libyschen Küstenwache die das Rettungsschiff, 29.4.2025 (IMAGO / ZUMA Press Wire / Javier Alvarez)

Es war ein Tiefpunkt in der Geschichte der Seenotrettung: 20 Minuten lang beschoss am 24. August ein Patrouillenboot der libyschen Küstenwache die Ocean Viking, ein Rettungsschiff der Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée, das zu diesem Zeitpunkt mit 87 Schiffbrüchigen und einer 35-köpfigen Crew rund 75 Kilometer nördlich der libyschen Küste in internationalen Gewässern unterwegs war. Seit Sommer 2019 bewahrt die Ocean Viking im zentralen Mittelmeer Menschen vor dem Ertrinken. An jenem Sonntag war sie mit den bereits geretteten Menschen auf dem Weg zu einem weiteren Rettungseinsatz. Das Boot, von dem aus die Schüsse abgefeuert wurden, hatte die libysche Küstenwache 2023 vom italienischen Innenministerium erhalten, finanziert wurde es mit Mitteln des EU-Programms „Support for Integrated Border and Migration Management in Libya“.[1]

Der Beschuss der Ocean Viking ist nicht nur ein eklatanter und offenkundiger Verstoß gegen das internationale Seerecht, sondern er steht auch exemplarisch für eine Kooperation, in der sich Mitglieder der italienischen Regierung und hochrangige europäische Amtsträger:innen an gewaltsamen Menschenrechtsverletzungen beteiligen.

»Blätter«-Ausgabe 11/2025

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Druckausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Mängel mit System: Traumrenditen mit Geflüchteten

von Till Uebelacker

Flüchtlingsunterkünfte liegen oft abgelegen und werden von der Öffentlichkeit weitgehend abgeschottet. Zivilgesellschaft, Parlamentariern und Presse wird der Zutritt von den Behörden oft verwehrt, Geflüchtete bleiben mit ihren Beschwerden über die Zustände in Sammelunterkünften allein.