Ausgabe Juni 2006

Kabale und Linke

Die Vereinigung von Linkspartei.PDS und WASG gestaltet sich schwieriger als erwartet; sie sorgte auf dem jüngsten Sonderparteitag der WASG für heftige Kontroversen. Vordergründiger Streitpunkt war die Absicht der Landesverbände Berlin und Mecklenburg- Vorpommern, bei den kommenden Landtagswahlen in Konkurrenz zur derzeit mitregierenden Linkspartei. PDS anzutreten. Darüber hinaus verweist der umstrittene Umgang mit beiden Alleingängen – disziplinarisches Durchgreifen oder politische Auseinandersetzung – auf tiefer liegende Schwachstellen des Vereinigungsvorhabens. Konkret lautet die entscheidende Frage: Wo verlaufen die Grenzen dessen, was beide Partner sich wechselseitig zumuten können und müssen? Dies berührt das linke Projekt insgesamt.

Hält man sich die „Beschlusslage“ vor Augen, scheint der Zusammenschluss politisch entschieden. Beide Parteitage, der Linkspartei.PDS wie der WASG, haben sich dafür ausgesprochen; die Mitglieder der WASG haben überdies in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit für die Vereinigung votiert. Die Gründe liegen auf der Hand: Unter den Bedingungen des deutschen Wahlrechts, namentlich der Fünf-Prozent-Klausel, haben zwei um dieselbe Wählerschaft konkurrierende Parteien derzeit kaum Aussicht auf gesicherte Plätze. Am Ende winkt die Einheit in der Niederlage.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien