Ausgabe Juli 2007

Für immer abgehängt: Das Ende der sozialen Mobilität

Keineswegs beiläufig, sondern an zentraler Stelle sprach im Oktober vergangenen Jahres der SPD-Vorsitzende Kurt Beck in einem Interview von „Unterschichten“. Gemeint waren jene „armen Familien“ in der Bundesrepublik, „die keinerlei Hoffnung mehr haben, den Aufstieg zu schaffen“ und sich mit ihrem sozialen Abstieg abgefunden hätten. „Manche“, so Beck weiter, „nennen es ‚Unterschichten-Problem‘.“1

Der Wirkung zufolge war ein „Unwort“ ausgesprochen worden. Wochenlang beherrschte die daraufhin losbrechende Debatte die Medien. Mehr als alles andere fand dabei Beachtung, dass hier ein Begriff seine Wiederauferstehung feierte, der längst vergessen schien. Zwar nannte kurz darauf der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Franz Müntefering, offenbar besorgt um das Ansehen der SPD, die „Unterschichten“ eine bloße Erfindung „weltfremder Soziologen“. Doch an der Realität wachsender Armut und sozialer Ungleichheit ändert dies nichts. Mehr noch – die von den gescholtenen Soziologen schon länger verkündete Botschaft lautet: Was bisher als Problem der sogenannten Unterschichten wahrgenommen wurde, ist bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen: Armut, Statusverlust und Deklassierung.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.