Las Palmas, Gran Canaria. Zahlreiche Fischkutter entladen ihre Ware. Fisch aus Westafrika ist auch in großen Mengen dabei. Ein paar hundert Meter vom Hafen entfernt kommt eine andere Ladung auf Fischerbooten an: afrikanische Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa, die sich dort bessere Lebensbedingungen erhoffen. Tausende verlieren auf dieser Reise jedes Jahr ihr Leben. Nicht allen Beobachtern ist der Zusammenhang bewusst, doch die Überfischung der westafrikanischen Gewässer – zu einem erheblichen Anteil von Ländern der Europäischen Union verursacht – spielt eine wichtige Rolle für das Anwachsen der Flüchtlingsströme. Zwar hat sich die Europäische Union 2006 das Ziel gesetzt, ihre Politik kohärenter im Sinne der Entwicklungspolitik zu gestalten und dafür zahlreiche neue Mechanismen etabliert. Gerade ihre Fischereipolitik gegenüber Westafrika zeigt jedoch exemplarisch, dass sie noch einen weiten Weg vor sich hat. Denn statt zur Armutsreduzierung trägt die EU durch den massiven Import von Fisch aus Westafrika zur Unterminierung der Nahrungssicherheit und zur Destabilisierung der lokalen Wirtschaft sowie des maritimen Ökosystems bei.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.