Ausgabe Dezember 2008

Finanznot in Fernost

Am Anfang schien es, als ob die von den USA ausgehende Finanzkrise nur ein Problem der amerikanischen und europäischen Banken und Investmenthäuser sei. Die Kreditinstitute Japans, Südkoreas und Chinas hatten sich von den Geschäften mit den Risikopapieren, die die Geldhäuser des Westens in die Krise stürzten, ferngehalten. Insbesondere für die japanischen Banken war es eine Genugtuung, jene US-Finanzinstitute im Überlebenskampf zu sehen, die die japanischen Banken vor zehn Jahren noch der Unfähigkeit geziehen hatten. Waren US-Investmenthäuser wie Merrill Lynch in der Krise von 1997 als Käufer bankrotter japanischer Finanzinstitute aufgetreten, so kaufen sich jetzt japanische Banken bei amerikanischen Geldinstituten ein und helfen ihnen zu überleben.

Der globale Niedergang der Aktienkurse erfasste dann aber auch Japan. Die großen Banken des Landes sahen sich gezwungen, das von der Regierung zur Verfügung gestellte Geld anzunehmen, weil angesichts des Verfalls der Wertpapiere in ihrem Portfolio die Eigenkapitalquote unter die international vereinbarte Mindestquote von acht Prozent fiel. Im globalen Markt konnten sich letztlich also auch diejenigen, die gut gewirtschaftet hatten, dem Sog der Finanzkrise nicht mehr entziehen.

In dem Maße, wie die Krise die US-Wirtschaft in Form der Konsumzurückhaltung erfasste, begann zudem die japanische Exportindustrie unter der Krise zu leiden.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

»Kakerlaken«-Proteste: Indiens zerbrochener Gesellschaftsvertrag

von Britta Petersen

Über einen Monat lang demonstrierten junge Menschen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi und weiteren großen Städten des Landes, bis die Regierung ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan nachgab.