Ausgabe Januar 2010

Mit der Bibel gegen Darwin

Der Aufstieg des Kreationismus

Charles Darwins „Über die Entstehung der Arten“ gilt heute als eines der wichtigsten Werke der Wissenschaft. Es revolutionierte nicht nur das Selbstverständnis der damaligen Naturforschung, sondern auch das Welt- und Selbstbild der Moderne. Begleitet von den epochalen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts wurde die Evolutionstheorie zur Grundlage der modernen Biologie. Auch über die Naturwissenschaften hinaus greifen verschiedenste Forschungszweige längst auf Darwins Überlegungen zurück. Insbesondere in den Sozialwissenschaften werden die neuesten Erkenntnisse der Evolutionsforschung in den Kontext kultureller und sozialer Prozesse mit einbezogen. 1

Dennoch spaltet die Darwinsche Revolution bis heute die Gesellschaft. Dies überrascht zunächst einmal nicht, stellt doch die Evolutionsbiologie die Vorstellung einer übernatürlichen Schöpfung ebenso in Frage wie die herausragende Stellung des Menschen. Anders als die meisten naturwissenschaftlichen Disziplinen berührt die Biologie damit explizit das persönliche, weltanschaulich geprägte Deutungsmuster der Menschen.

Beschränkte sich die Evolutionsbiologie lange Zeit darauf, Antworten im Hinblick auf das „survival of the fittest“ in der belebten Natur zu geben, drängt die moderne Evolutionsbiologie in den Bereich der Religionen vor und stellt Fragen, die lange Zeit als wissenschaftliches Tabu galten.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.