Ausgabe Februar 2011

Kooperieren oder scheitern

Die Existenzkrise der Europäischen Union

Wenn eine Weltordnung zusammenbricht, beginnt das Nachdenken darüber. Doch offenbar gilt das nicht für den heute vorherrschenden Typus der Gesellschaftstheorie, der in universalistischer Erhabenheit und schlafwandlerischer Sicherheit über den Niederungen des epochalen Wandels – Klimawandel, Finanzkrise, Krise der Demokratie und der nationalstaatlichen Institutionen – hinwegschwebt. Diese Art universalistischer Gesellschaftstheorie, sei es nun eine strukturalistische, interaktionistische, marxistische, Kritische oder Systemtheorie, ist heute antiquiert und provinziell. Antiquiert ist sie, weil sie ausschließt, was zu beobachten ist: ein Paradigmenwechsel von Gesellschaft und Politik in der Moderne. Provinziell ist sie, weil sie den pfadabhängigen Erfahrungs- und Erwartungsraum der westeuropäischen oder auch der US-amerikanischen Modernisierung fälschlich verabsolutiert und damit gerade den soziologischen Blick auf deren Besonderheit verstellt.

Man würde zu kurz greifen, wenn man meinte, dass wir, die europäische Soziologie, die Modernisierungspfade der Anderen nur ergänzend verstehen müssen, weil sonst unser Weltbild unvollständig ist. Vielmehr gilt: Wir Europäer können uns nur dann selbst verstehen, wenn wir uns „deprovinzialisieren“, das heißt, soziologisch-methodologisch mit den Augen der Anderen sehen lernen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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