Ausgabe August 2011

Auf der Suche nach dem Gemeinsamen

Überlegungen zur Zukunft der pluralen Linken

Wir schreiben das Jahr Zwei nach dem Höhepunkt der schwersten globalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Von einer „Zeitenwende“ war die Rede angesichts des offenkundigen Versagens der Ideologie des ungezügelten Marktes, die der politischen Linken das Leben seit rund 40 Jahren schwer gemacht hat. Lange diskreditierte Argumente wurden wieder gehört. Das hegemoniale Pendel, so hofften viele, sollte nun wieder in die andere Richtung schlagen.

Tatsächlich können derartige Einschnitte, so lehrt uns die Wirtschaftsgeschichte, dazu führen, dass wirtschaftsliberale Phasen von sozial regulierten Phasen abgelöst werden – und umgekehrt. Die berühmte, von Karl Polanyi beschriebene „Doppelbewegung“[1] aus kapitalistischer Vereinnahmung einerseits und einer Gegenbewegung zum Schutz der Gesellschaft vor den Folgen des Marktes andererseits kennzeichnet den Kapitalismus seit jeher. Darum bestand vor zwei Jahren auch eine berechtigte Hoffnung auf eine Gegenbewegung.

Doch die letzten Jahre haben auch gezeigt: Dies ist weder ein Automatismus, noch bewegt sich das Pendel in ein diskursfreies Vakuum. Welchen Charakter diese Gegenbewegung annimmt, hängt von den sozialen Kräften und politischen Diskursen ab, wie auch ein Blick in die Geschichte zeigt.
Die globale Krise in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war Ausgangspunkt unterschiedlichster Gegenbewegungen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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