Ausgabe Februar 2012

Nordkorea: Der kleine Führer auf der Titanic

Auf dem Höhepunkt des „Kriegs gegen den Terror“ und des verbalen Kampfes gegen die „Achse des Bösen“ wollten George W. Bush und seine neokonservative Kamarilla den Sturz des nordkoreanischen Führers Kim Jong-il lieber früher als später. Das aber sollte sich schnell ändern. Bereits nach Kims Schlaganfall 2008 war die Sorge vor einer unkontrollierbaren Situation in Nordkorea im Falle seines Ablebens größer als die Hoffnung, ihn endlich loszuwerden. Kim Jong-il schien der Garant vor einer chaotischen Situation zu sein, in deren Verlauf sich US- und chinesische Truppen wie im Koreakrieg hätten gegenüberstehen können – diesmal allerdings, um die nordkoreanischen Atomwaffen zu sichern. Als Sohn des charismatischen Staatsgründers Kim Il-sung besaß Kim Jong-il die Autorität, die verschiedenen Machtgruppen Nordkoreas zusammenzuhalten. Angesichts seiner schwindenden Gesundheit versuchte er in den letzten drei Jahren, seinem Sohn Kim Jong-un zu einer eigenen Machtbasis zu verhelfen und ihn als einen starken Nachfolger aufzubauen.

Davon kann heute jedoch, nach dem Tode Kim Jong-ils, nicht die Rede sein: Kim Jong-il war beim Tode seines Vaters reife 52 Jahre alt, sein Sohn aber ist erst 28. Wie den Vater und den Großvater suchen seine Berater ihn mit einer quasi-religiösen Legitimation auszustatten.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

»Kakerlaken«-Proteste: Indiens zerbrochener Gesellschaftsvertrag

von Britta Petersen

Über einen Monat lang demonstrierten junge Menschen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi und weiteren großen Städten des Landes, bis die Regierung ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan nachgab.