Der Sommer ist vorbei, die Löcher bleiben. Vor allem im deutschen Feuilleton. Überall Einschusslöcher, die deutschen Edelfedern hinterrücks gemeuchelt – man sieht nur noch die Schmauchspuren: Der omnipräsente FAZ-Herausgeber, Wunderknabe des deutschen Feuilletons, in Krimi-Form als Windbeutel und Lustmolch entlarvt – und zwar von niemand Geringerem als dem Kulturchef des schärfsten Konkurrenten, der „Süddeutschen Zeitung“, ehemals selbst FAZke, der wiederum vom „Welt“-Feuilletonisten, auch Ex-FAZler, enttarnt, sprich: journalistisch gemordet wird.
Was für ein Inzest! Die deutsche Hochkultur ein Pfuhl des Neides und der Sünde. Ein Schelm, wer dabei nicht an Balzacs Beschreibung des Literatenmilieus im 19. Jahrhundert dächte: überall „Verlorene Illusionen“, wenn man denn noch welche gehabt hätte.
Was daher not tut, ist ein Purgatorium, ein reinigendes Fegefeuer. Ja, es ist an der Zeit, endlich für die gebotene lichterlohe Aufklärung zu sorgen. Und wer wäre hierfür besser geeignet als unser Balzac der Gegenwartsphilosophie, der Feuilletonist auf offener Bühne, Peter Sloterdijk, kurz PS?
Doch welch Malheur, auch hier dräut neuerdings die Leere: Das philosophische Quartett – mit Sloterdijk, Safranski und Co. – wurde wegen gähnender Langeweile eingestellt, genauso wie das Panzersche Nachtstudio.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.