Ausgabe November 2012

USA versus Iran: Die Rückkehr der Vernunft?

Manche Entwicklungen verlaufen so langsam, dass sie der Aufmerksamkeit des unbeteiligten Beobachters völlig entgehen. Ein Beispiel dafür liefert gerade die allmähliche Veränderung der amerikanischen Position im Irankonflikt. Wie es aussieht, haben sich seit dem vergangenen Frühjahr zwei wichtige Neuerungen ergeben: Zum einen scheint Washington wieder die Federführung in der Konfliktbearbeitung übernommen zu haben, nachdem der Hardliner, der derzeit Israel regiert, die Vereinigten Staaten in Richtung Krieg zu drängen versuchte. Zum anderen gibt es in den oberen Etagen des amerikanischen Establishments jetzt offenbar mehr Flexibilität, was Ziel und Zweck von Verhandlungen mit dem Iran angeht. Jeder ernsthafte Verhandlungsprozess müsste realistischerweise auch auf iranische Sorgen eingehen und darf sich nicht auf das Atomthema, das die USA und Israel bislang hauptsächlich beschäftigt, beschränken. 

An die Stelle des leichtfertigen, chauvinistischen Geredes darüber, den Iran durch Bombenangriffe zur Unterwerfung zu zwingen – wie es in den letzten Jahren in den USA und Israel vorherrschte – tritt damit neuerdings eine viel nüchternere Abwägung der tatsächlichen Kosten und Konsequenzen eines Angriffs.

November 2012

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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