Ausgabe September 2013

Emanzipiertes Papier

Kaum hatten die Nachrichtenticker vermeldet, dass Amazon-Milliardär Jeff Bezos die legendäre „Washington Post“ für lächerliche 255 Mio. US-Dollar gekauft hatte, begann auch schon das große Wehklagen: Was würde Bezos mit der wohl renommiertesten Tageszeitung der USA anstellen? Ausgerechnet jener skrupellose Internet-Tycoon, der sein Vermögen bisher ausschließlich auf Kosten der alten „Holzmedien“ macht und damit Buchhändler und Verleger schier zur Verzweiflung bringt.

Auch die hiesige Verlagswelt zeigte sich tief erschüttert: „Dies ist ein Verlust. Die Figur des Verlegers, der keine anderen wirtschaftlichen Interessen hat als seine eigenen Medien, ist durch nichts zu ersetzen“, jammerte Christoph Keese, der Chef-Lobbyist des Springer-Konzerns.

Welch Krokodilstränen! Dabei hatte Keeses Vorgesetzter, Springer-Chef Mathias Döpfner, nur wenige Tage zuvor eine Handvoll Traditionstitel auf den Markt geworfen, von der gut 100 Jahre alten „Berliner Morgenpost“, einst Flaggschiff des im Dritten Reich enteigneten Ullstein-Imperiums, bis zum „Hamburger Abendblatt“, gegründet 1948 und erstes Baby Axel Caesars.

Es gehe darum, für die Zeitungen „eine langfristige Perspektive zu schaffen“.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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