Ausgabe Oktober 2014

Liberaler Totalitarismus?

Zur Aktualität von Herbert Marcuse

Wenige Intellektuelle haben ihren Stern so hell leuchten und dann so schnell verblassen sehen wie Herbert Marcuse. Vor genau 50 Jahren erschien „One-Dimensional Man“ (Der eindimensionale Mensch), um 1968 herum haben praktisch alle das Buch gelesen; es wurde vom Englischen in Dutzende Sprachen übersetzt. Das „New York Times Magazine“ bezeichnete Marcuse als ideologische Quelle der Neuen Linken, und „The Economist“ nannte ihn einen „alten Propheten für die Neue Linke in Paris“. In der französischen Hauptstadt, so stellte der Auslandsredakteur fest, „haben sie seinen Namen an den Barrikaden skandiert, und in ganz Westeuropa werden seine Bücher Teil des Evangeliums der Neuen Linken.“ Die sowjetische „Prawda“ lamentierte: „Marcuse, Marcuse – die westliche Presse hört nicht auf, den Namen dieses 70jährigen ‚deutsch-amerikanischen Philosophen‘ zu wiederholen, der plötzlich aus dem Schatten der Vergessenheit aufgetaucht ist. [Er] ist ausgezogen, den Marxismus zu widerlegen [und] wird wie ein Filmstar angekündigt.“

Heute ist Marcuse ein altmodisches Relikt. Seit seinem Tod 1979 wird er nur von wenigen Wissenschaftlern rezipiert.

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