Ausgabe Februar 2015

Das Ethos des Kinos

Noch immer ist das Kino eine vergleichsweise junge Kunst, auch wenn in unseren Tagen angesichts der Frage, ob oder in welchem Maß wir dabei sind, in ein „postkinematografisches Zeitalter“ einzutreten, heftig über ihr Altern diskutiert wird.[1] Zusammen mit der Fotografie ist der Film diejenige Kunstform, die – anders als die weit älteren Künste – fast vom Augenblick ihrer Geburt an von einer theoretischen Auseinandersetzung über die Kraft ihres artistischen Potentials begleitet wurde. Bei vielen Theoretikern – von Arno Münsterberg über Vachel Lindsay, Walter Benjamin, Erwin Panofsky, Siegfried Kracauer, André Bazin, Edgar Morin, Stanley Cavell, Gilles Deleuze und etlichen anderen – spielt dabei mal ausdrücklich, mal unausdrücklich eine anthropologische Spekulation eine signifikante Rolle. In Frage steht, wie sich das Kino zu den bis dahin prägenden Wahrnehmungs- und Lebensverhältnissen des Menschen verhält. Diese Frage freilich lässt sich nicht beantworten, ohne sich der spannungsreichen Verwandtschaft des Films mit vielen anderen Künsten zu widmen, etwa der Architektur, der Musik, dem Theater, dem Tanz, der Literatur, der Fotografie, der Malerei, der Plastik oder auch der Installation.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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