Ausgabe August 2015

Heiße Hosen, blinde Augen

Ausgerechnet eine Volksschullehrerin, nämlich die italienische Selfmade-Designerin Mariuccia Mandelli, musste vor 45 Jahren die ultrakurzen Hotpants kreieren. Nur damit heute eine ihrer Kolleginnen den Ärger ausbaden darf, und zwar an der Werkrealschule im baden-württembergischen Horb-Altheim. Dabei hatte Direktorin Bianca Brissaud es mit ihrem Brief an die sehr geehrten Eltern doch nur gut gemeint: „In letzter Zeit“, heißt es darin, „müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen sehr aufreizend gekleidet sind.“ Bis nach den Ferien eine anständige Kleiderordnung ausgearbeitet sei, gelte daher die Regel: „Wer zu aufreizend gekleidet ist, der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt.“

Staatliche Zwangsverhüllung also, wenn auch in bester Absicht: „Wir wollen damit ein kleines Stück zu einem gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden.“ Ob sich die modebewussten Mädels bei brüllender Hitze in einem Zeltshirt wohler fühlen als in luftigen Mini-Shorts, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Denn wie wusste schon Fashionqueen Vivienne Westwood: „Fashion is always about sex.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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