Ausgabe Mai 2022

Schocktherapie für Neoliberale

Die Folgen der russischen Invasion der Ukraine haben uns an die unvorhersehbaren Verwerfungen erinnert, mit denen die Weltwirtschaft ständig konfrontiert wird. Die Geschichte hat uns dies viele Male gelehrt: Niemand hätte die Terroranschläge vom 11. September 2001 vorhersagen können, und kaum jemand sah die Finanzkrise von 2008 oder die Covid-19-Pandemie kommen – oder die Wahl Donald Trumps, die bewirkte, dass die USA sich dem Protektionismus und Nationalismus zuwandten. Und selbst jene, die diese Krisen kommen sahen, hätten nicht mit Gewissheit sagen können, wann sie eintreten würden.

Jedes dieser Ereignisse hatte enorme gesamtwirtschaftliche Auswirkungen. Die Pandemie lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die mangelnde Widerstandsfähigkeit unserer scheinbar robusten Volkswirtschaften. Die Supermacht Amerika schaffte es nicht einmal, so simple Produkte wie Masken und andere Schutzausrüstung zu produzieren, von komplizierteren Artikeln wie Tests und Beatmungsgeräten ganz zu schweigen. Die Krise schärfte damit aber unser Bewusstsein für die wirtschaftliche Fragilität und wiederholte so eine der Lehren der globalen Finanzkrise, als der Konkurs eines einzigen Unternehmens – Lehman Brothers – den Beinahe-Zusammenbruch des gesamten Weltfinanzsystems auslöste.

In ähnlicher Weise verschärft der Krieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine den ohnehin schon besorgniserregenden Anstieg der Lebensmittel- und Energiepreise.

Mai 2022

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