Ausgabe Februar 2026

Exempel an Sophie von der Tann

Wie die Israel-Berichterstattung von innen und außen attackiert wird

Proteste vor dem WDR-Funkhaus in Köln gegen die Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises an Sophie von der Tann, 4.12.2025 (IMAGO / epd)

Bild: Proteste vor dem WDR-Funkhaus in Köln gegen die Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises an Sophie von der Tann, 4.12.2025 (IMAGO / epd)

Anlässlich des Gazakrieges ist es zu massiven Angriffen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gekommen, insbesondere auf die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann. An diesem Fall wird exemplarisch deutlich, wie von innen wie von außen, vor allem seitens der israelischen Regierung, die Berichterstattung zu Israel kampagnenartig unter Beschuss genommen wird, mittels gezielter Diskreditierung der beteiligten Journalistin.

Das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) steht seit einigen Jahren unter massivem Druck. Mal geht dieser von privaten Medienhäusern wie etwa dem Axel-Springer-Verlag aus, dessen Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner gegen die Online-Angebote von ARD und ZDF wegen einer angeblichen Marktverzerrung wettert, und mal von zivilgesellschaftlichen Gruppierungen, die zu einem Boykott des Rundfunkbeitrags aufrufen. Am wichtigsten aber dürften die bislang von Parteien getragenen politischen Vorstöße gewesen sein, die das jahrzehntelang zwar gehegte und gepflegte, aber institutionell tatsächlich stark verkrustete ÖRR-System in seiner gegenwärtigen Verfassung nachhaltig in Zweifel ziehen. Hinzu kommt, dass Affären wie etwa die um die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger den ÖRR zusätzlich in Misskredit gebracht haben.

»Blätter«-Ausgabe 2/2026

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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