Ausgabe März 2026

Springers neue Stasi

Das Axel Springer Hochhaus in Berlin (IMAGO / Ray van Zeschau)

Bild: Das Axel Springer Hochhaus in Berlin (IMAGO / Ray van Zeschau)

Man kann Axel Caesar Springer, dem Schöpfer von »Bild« und »Welt«, ja vieles vorwerfen, aber eines gewiss nicht, dass er die DDR verharmlost hätte. Im Gegenteil: Nicht ohne Grund baute Springer seinen ersten Tower direkt an die Mauer, als Symbol westlicher Pressefreiheit, und schrieb stets »DDR«, um durch die Tüttelchen zu sagen, dass von Demokratie in dieser Republik keine Rede sein konnte. Insofern müsste sich der alte Caesar eigentlich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, was seine Nachlassverwalter derzeit anrichten. So meint Andreas Rosenfelder, seines Zeichens »Welt-Chefkommentator« und »Ressortleiter Meinungsfreiheit«, doch tatsächlich eine neue Stasi entdeckt zu haben – gemeinsam mit unserem lupenreinen Ex-Kanzler Gerhard Schröder: »Ich sehe mit Sorge die ›Zensurnetzwerke‹, die den demokratischen Diskurs einengen«, heißt es bei Schröder. Demokratie brauche aber »keine neue ›Stasi‹«, so unser liebster Putin-Vertrauter, und zwar ausgerechnet in einem Gastbeitrag in der »Berliner Zeitung«, herausgegeben vom Ex-Stasi-Mann und Egon-Krenz-Verehrer Holger Friedrich. Mehr Relativierung der wahren Stasi geht kaum! Und was macht Rosenfelder daraus? Er feiert den Neu-Stasi-Entdecker Schröder für dessen Beleuchtung des »großen blinden Flecks der deutschen Politik – den Umgang mit der Meinungsfreiheit«.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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