Ausgabe April 2026

Portugal: Rechtsruck oder demokratische Selbstbehauptung?

Portugals neuer Staatspräsident António José Seguro vom Partido Socialista, 8.2.2026 (IMAGO / ZUMA Press)

Bild: Portugals neuer Staatspräsident António José Seguro vom Partido Socialista, 8.2.2026 (IMAGO / ZUMA Press)

Normalerweise verhalten sich Medien bei der Wahlberichterstattung nach der Logik, die die schwedische Pop-Band ABBA 1980 treffend in die Textzeile »The winner takes it all« gegossen hat: Dem Sieger gilt alle Aufmerksamkeit, der Verlierer wird relativ schnell vergessen. Auf die jüngsten Präsidentschaftswahlen in Portugal trifft das jedoch nicht zu. 

Zwar hat der Sozialdemokrat António José Seguro vom Partido Socialista (PS) am 8. Februar die Stichwahl um das Amt des Staatsoberhaupts mit rund 67 Prozent der Stimmen deutlich gewonnen, aber mindestens ebenso sehr beschäftigt die Öffentlichkeit das Abschneiden des unterlegenen Kandidaten: André Ventura, Parteichef der rechtspopulistischen Chega (»Es reicht«), erzielte rund 33 Prozent. Das ist beachtlich viel für einen Kandidaten, der vor dem Wahl noch behauptet hatte, sich eigentlich nicht für das Amt zu interessieren und sich auf die parlamentarische Arbeit konzentrieren zu wollen. Im portugiesischen Parlament sind die Rechtspopulisten inzwischen zweitstärkste Kraft.

»Blätter«-Ausgabe 4/2026

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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