Ausgabe Mai 2026

Israel: Mit Krieg zum autoritären Staat

Die israelische Polizei löst in Tel Aviv eine Anti-Kriegs-Demonstration auf, 4.4.2026 (IMAGO / Anadolu Agency)

Bild: Die israelische Polizei löst in Tel Aviv eine Anti-Kriegs-Demonstration auf, 4.4.2026 (IMAGO / Anadolu Agency)

Gleich zwei Mal verkündete der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu einen vermeintlichen Sieg der USA und Israels gegen den Iran. Das zweite Mal, nachdem US-Präsident Donald Trump am 8. April eine zweiwöchige Feuerpause verkündet hatte. 18 Stunden später wandte sich Netanjahu in einer aufgezeichneten Videobotschaft an die israelische Bevölkerung. Der Premierminister sprach von zahlreichen »großartigen Errungenschaften«. Außerdem habe er die »doppelte existenzielle Bedrohung« durch das Raketen- und Atomprogramm beseitigt, obwohl sich weiterhin angereichertes Uran in Iran befindet. Netanjahu versprach, dieses verbleibende Problem entweder diplomatisch oder militärisch zu lösen.

Dabei hatte der Premier bereits 2025 nach dem sogenannten Zwölf-Tage-Krieg mit Erfolgen geprahlt, die »Generationen« überdauern sollten. Entsprechend überzeugte seine Darstellung nur wenige. Das merkte auch Netanjahu selbst, weshalb er kurz nach der Ausstrahlung in einer Kabinettssitzung frustriert reagiert haben soll. Teilnehmer berichteten, er habe der Armee vorgeworfen, ihre Erfolge nicht überzeugend genug darzustellen.1 Um die Scharte auszuwetzen, zeichnete Netanjahu eine zweite, didaktisch aufbereitete Videobotschaft auf. Eine Karte der Region sollte helfen, den Israelis ihren »klaren« Sieg zu verdeutlichen, ebenso eine ausgedruckte Liste der Erfolge.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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