Ausgabe Juni 2026

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

Auf einem Smartphone wurde die App der Wettplattform Polymarket aufgerufen. Auf der Prognosemarktplattform Polymarket kann unter anderem auf den Ausang der Wahl gewettet werden. (IMAGO / Hanno Bode)

Bild: Auf einem Smartphone wurde die App der Wettplattform Polymarket aufgerufen. Auf der Prognosemarktplattform Polymarket kann unter anderem auf den Ausang der Wahl gewettet werden. (IMAGO / Hanno Bode)

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«. Binnen weniger Stunden waren in der Hauptstadt Caracas nächtliche Explosionen zu hören, während US-Spezialkräfte vorrückten, Maduro und seine Frau Cilia Flores festnahmen und in die USA entführten. Kurz vor dem Angriff hatte ein Bieter auf der US-Prognoseplattform Polymarket seine Wette darauf verdoppelt, dass Maduro bald nicht mehr Präsident sein würde. Bei dem Bieter handelte es sich um einen US-Soldaten, der an der Militäroperation beteiligt war. Bereits im Dezember 2025 hatte dieser sich auf der Plattform registriert und seitdem 13 Wetten auf künftige Veränderungen in Venezuela abgeschlossen. Seine Insiderinformationen brachten dem 38-Jährigen mehr als 409 000 US-Dollar ein, rund zwölfmal so viel wie sein Wetteinsatz von rund 33 000 Dollar. Im April wurde der Elitesoldat wegen der Weitergabe von Geheiminformationen zur persönlichen Bereicherung angeklagt.1

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf Insidergeschäfte auf den boomenden digitalen Wettplattformen wie Polymarket oder Kalshi.

»Blätter«-Ausgabe 6/2026

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Druckausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Putins Kriegswirtschaft: Propaganda und Realität

von Michael R. Krätke

Zu den ständig wiederholten Propagandalügen des russischen Regimes gehört die Behauptung, Russlands Wirtschaft werde von den Sanktionen des Westens kaum berührt. Viele glauben das, weil die Ankündigung, die Sanktionen würden Russland in kürzester Zeit in die Knie zwingen, nicht eingetroffen ist.

Libanon: Letzte Hoffnung Trump?

von Kristian Brakel

Seit Anfang März tobt im Libanon die x-te Auflage des jahrzehntealten Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah. Während die Weltöffentlichkeit gebannt verfolgt, wie Donald Trump die militärische Projektionskraft der USA am Golf verspielt, erregt der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah weit weniger Aufmerksamkeit.