Ausgabe Juni 1991

Kirche statt Sozialismus

Zur päpstlichen Enzyklika Centesimus annus

Als vor 100 Jahren "das ungeheure und weitverbreitete soziale Unrecht voll zutage trat und die Gefahr einer von den damaligen 'sozialistischen' Strömungen geforderten Revolution drohte" (Centesimus annus, I. Kapitel, Ziffer 4), veröffentlichte Papst Leo XIII. die Sozialenzyklika "Rerum novarum". Zum 100. Jahrestag zog nun Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika "Centesimus annus" Bilanz über die katholische Soziallehre. Dabei stellt er seine Bewertung der "Ereignisse der letzten Monate des Jahres 1989 und der ersten des Jahres 1990" in den Mittelpunkt, die eine Bestätigung für "Rerum novarum" seien. "Papst Leo sah in der Tat unter allen Aspekten, politisch, sozial und wirtschaftlich, die negativen Folgen einer Gesellschaftsordnung voraus, wie sie der Sozialismus vorlegte" (II. Kapitel, Ziffer 12). Bestätigt habe sich auch die Auffassung Leo XIII., "daß es keine echte Lösung der 'sozialen Frage' außerhalb des Evangeliums gibt."

Johannes Paul analysiert ausführlich den "Zusammenbruch des Marxismus" oder des "Sozialismus" (er verwendet die beiden Begriffe synonym), wobei er abwechselnd Leo XIII. und sich selbst bestätigend zitiert. Der Sozialismus sei mit dem Anspruch angetreten, die "Arbeiterfrage" zu lösen, das Heilmittel habe sich aber als schlimmer herausgestellt als das Übel, urteilt der Papst.

Juni 1991

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