Ausgabe September 1991

Vom UNO-Mitglied zur kriminellen Vereinigung?

Revolutionen sind wie Kriege. Ihr unmittelbarer Erfolg wird nach der Exekution der alten Führungsclique bemessen. Nur die Liquidation des ancien régime bereitet das Terrain so grundlegend vor, daß die Chancen für eine Neuordnung günstig erscheinen. Dabei müssen Revolutionen gründlicher sein, um das Etikett "erfolgreich" zu erhalten, als siegreiche Kriege.

Denn was dem Sieger im Krieg oftmals nicht gelingt - siehe das Problem der USA mit Iraks Saddam Hussein -, ist dem Revolutionär überhaupt erst die Voraussetzung zum Erfolg. Und so bleibt eine wirkliche Neuordnung im Nahen Osten aus, während sie im Herzen Mitteleuropas im vollen Gange ist. Die Ohnmacht des Siegers im Krieg ist eine seltsame Konsequenz kultureller Evolution, die sich die Staaten selbst in Gestalt des Kriegsvölkerrechts als Fesseln gegen die immer wieder durchbrechenden atavistischen Siegesbräuche angelegt haben. Von den Haager Konventionen Anfang dieses Jahrhunderts über die Genfer Konventionen des Jahres 1949 bis zu den Genfer Zusatzprotokollen von 1977 haben die Staaten zumindest in den Vertragsurkunden immer zivilisiertere Kriegs- und Siegessitten angenommen, die von einem grundsätzlichen Respekt auch vor dem besiegten Staat ausgehen. Dies alles gilt nicht in der innerstaatlichen revolutionären Auseinandersetzung.

September 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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