Ausgabe August 1992

Zwischen sanfter Revolution und Demokratie

Antinomien tschechoslowakischer Politik seit 1989

"Nehmen wir an, daß es auf einer Straße zu einer großen Unruhe wegen irgend etwas, sagen wir einer Straßenlaterne, kommt, die viele einflußreiche Personen abreißen möchten. Es wird ein grau gekleideter Mönch um Rat gefragt, welcher den Geist des Mittelalters verkörpert, und er beginnt auf die trockene Art und Weise der Scholastiker den Fall zu analysieren: "Denken wir zuerst, meine Brüder, über den Wert des Lichtes nach. Wenn das Licht an sich gut ist..." In diesem Augenblick wird er verständlicherweise zusammengeschlagen. Die Menschen stürzen sich zu der Laterne, reißen sie zum Boden und gratulieren sich gegenseitig zu ihrem unmittelalterlichen Pragmatismus.  In der weiteren Vorgehensweise laufen die Dinge nicht mehr so glatt. Einige Menschen rissen die Laterne ab, weil sie das elektrische Licht einführen wollten; andere wiederum deswegen, weil sie altes Eisen brauchten; einige wiederum deswegen, weil sie die Dunkelheit bevorzugten, weil ihre Taten böse waren. Manche dachten, daß sie schwach leuchtete, manchen war sie zu stark; manche haben sie gestürzt, weil sie das Eigentum der Stadt beschädigen wollten, andere wiederum, weil sie irgend etwas kaputt machen wollten. Und so entbrennt in der Dunkelheit ein Kampf, in dem niemand weiß, wer wen schlägt.

August 1992

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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