Ausgabe September 1992

Agonie oder Antizipation der Einen Welt?

Springquell des Reichtums oder Sozialfall? Der Süden in der Weltwirtschaft

Die Rede von der „Einen Welt" hat vor allem deren enge ökologische Verflechtung im Auge - die Erde ist nun mal ein ökologisches System. Auch ökonomisch scheinen die Verflechtungen eng geworden zu sein - dies allerdings in einer durchaus einseitigen Weise. Gäbe es auf ökonomischem Gebiet eine wirkliche Interdependenz, so würden die „Großen Sieben" (die G7) nicht unter sich bleiben können: „Der Verbund ist höchst asymmetrisch und schief." (Südkommission, 1991, S. 30)

Aber auch die Auffassung, die Welt sei (nunmehr) zweigeteilt, ist zu hinterfragen: Heute ist die Vorstellung von einer Dritten Welt als handelndem Subjekt problematischer denn je. Weniger deshalb, weil die „Zweite Welt" verschwunden ist. Der Begriff „Dritte Welt" lehnt sich an den des „Dritten Stands" der französischen Revolution an und geht von einem Grundbestand gemeinsamer Interessen der Mitglieder aus. Die ökonomische Situation der Entwicklungsländer aber hat sich weiter differenziert, nur noch selten können sich die „Blockfreien" auf gemeinsame Positionen verständigen.

September 1992

Sie haben etwa 21% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 79% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo