Ausgabe Oktober 1992

Sinnliches, sinnig

Das Heft ist großformatig und hochglanzkaschiert, die Seiten sind kartonartig fest, wenn man sie aufschlägt, um zu lesen, knistert die Klebebindung gefährlich. Es ist eine Zeitschrift - wie sie heißt, sieht, wer sie nicht kennt, erst auf den zweiten Blick: Blimp.

Dem ersten Blick begegnen graphische Arrangements, in denen photographische Elemente von typographischen überlagert werden: ein Boxer kurz nach dem K.O. des Gegners, abstrakte Figurationen, die aus dem Rorschach-Test stammen könnten und dann doch Umrisse eines Frauenleibs annehmen. Zerstreut, immer noch auf dem Titelblatt, Schlagworte oder Eigennamen, die die Themenschwerpunkte anzeigen. Es ist eine Filmzeitschrift, herausgegeben von der Grazer Filmwerkstatt (englisch Film Manu Factory), aus der österreichischen Provinz sich also an die Welt wendend. "Blimp" ist ein filmtechnischer Fachausdruck und bezeichnet eine dicke Ummantelung der Kamera aus lärmdämmendem Material.

Für die Zeitschrift scheint er auf subtile Weise zuzutreffen: um zu den Artikeln durchzudringen, muß man sich durch ein dichtes Geflecht von Layout-Spielereien kämpfen: Extrem kleine Buchstaben mit extrem großem Zeilenabstand - der Platz wäre da, um lesbar zu drucken.

Oktober 1992

Sie haben etwa 27% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 73% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.