Ausgabe Januar 1994

Heil Jopi

Johannes Heesters durfte seinen 90. Geburtstag mit einer Gala im öffentlich-rechtlichen Fernsehen feiern (am 5.12.1993 um 20.15 Uhr). Aber das ZDF hat damit nicht gegen seinen Programmauftrag verstoßen: Frohsinn zu verbreiten in diesen apokalyptischen Zeiten, gehört auch dazu.

Johannes Heesters, geboren also vor 90 Jahren in Holland, gab eine Ausbildung zum Bankkaufmann (nach anderen Quellen das Priesterseminar) auf, um in Amsterdam die Bretter, die die Welt bedeuten, zu bevölkern. Seine Spezialität waren damals schon die Operetten, wie später dann auf der Leinwand. 1934 ging er nach Wien, dann 1936 nach Berlin als privilegierter Ufa-Star. Nach dem Krieg war seine Karriere keineswegs zu Ende, auch wenn die alten Muster etwas weniger gefragt waren. Während er vorher mit der Figur des Danilo in Die lustige Witwe identifiziert wurde (über 3000 Aufführungen auf der Bühne), beanspruchte er nach dem Krieg, als Schauspielerpersönlichkeit wahrgenommen zu werden. Aber es reichte nur zu ein paar nostalgischen Filmen und Kurz-Fernsehspielen der Gattung Komödienstadel. Es war also vor allem sein Ruhm aus alten Zeiten, der ihn jetzt zum Gegenstand der Bewunderung werden ließ.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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