Ausgabe Juni 1994

Was wäre durch eine Schaukelpolitik zu gewinnen?

Die Bundesrepublik zwischen Westintegration und Rückfall in die Mittellage. Blätter-Gespräch

Nach 1990 ist es Mode geworden, sich im nachhinein von der "alten Bundesrepublik" zu distanzieren, die als provinzielle Existenz, zunehmend aber auch als der eigentliche deutsche Sonderweg denunziert wird. Im Gefolge solch verbreiteter Abgrenzung gegenüber der Bonner Republik ist auch die bundesdeutsche Westintegration inzwischen Gegenstand einer relativierenden Diskussion (siehe beispielsweise die FAZ-Serie "What's right?") geworden. Der "Intellektuellen-Disput" kaschiert allerdings nur, daß eine Generaldebatte zu Grundfragen zukünftiger bundesdeutscher Außenpolitik nicht stattfindet - mit dem ausdrücklichen Einverständnis der sozialdemokratischen Opposition. Zumal unter solchen Umständen sind unverstellte Blicke von außen auf die politische Landschaft in Deutschland und Europa hilfreich. Über die deutsche Neuorientierung in veränderter Umgebung, über Westintegration und "Mittellage" sprachen wir mit Robert Gerald Livingston, Gründungsdirektor des American Institute for Contemporary German Studies der Johns Hopkins University in Washington, D.C., und seit Anfang 1994 als Senior Development Officer des Instituts tätig. Das Gespräch führten Karl D. Bredthauer und Arthur Heinrich. D. Red.

Juni 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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