Ausgabe Januar 1995

Imitationen des Lebens

Luftaufnahmen von Köln, dann der Dom, der Hauptbahnhof mit der Rheinbrücke. Ein Zug fährt ein, ein junger Mann steigt aus. Kameraschwenk von seinen Schuhen hoch, ein schönes altes GründerzeitStadthaus wird sichtbar: Ecke Schillerallee - Hölderlinstraße. Chris kommt von der Bundeswehr zurück, seine Eltern haben hier eine Bäckerei. Schon im Treppenhaus eine zufällige Begegnung: Zwei junge Girls suchen eine Wohnung und haben die gardinenlosen Fenster im Dachgeschoß entdeckt, Chris' Oma ist die Hausbesitzerin, er macht sie mit den zukünftigen Mitbewohnerinnen bekannt.

Wenn er die restlichen Mitglieder der Familie begrüßt, erfahren wir, daß der Vater des heimgekehrten Sohnes aus ihm einen Rechtsanwalt machen will, Chris aber will nicht Jura studieren, sondern unbedingt zur Polizei: "Ich würd gern irgendwas tun, irgendwie helfen. (...) Als Polizist ist man näher dran" (!?), und später nennt ihn deswegen jemand einen "Idealisten". Schneeballprinzip. Auch der Ostberliner Bruder, mit dem sich Chris' Mutter anläßlich der Deutschen Vereinigung verzankt hatte, kommt sein Glück in Köln suchen und wird aufgenommen mitsamt Tochter Antonia, mit der es etwas auf sich hat, was wir noch erfahren werden. Auch er kommt neu in das Haus und ist so neugierig wie wir Zuschauer.

Januar 1995

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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