Ausgabe März 1995

Frieden oder neue Konfliktanordnung?

Bestandsaufnahme Naher Osten

Fast 20 Jahre lang hat das Wort vom nahöstlichen Friedensprozeß vor allem dazu gedient, amerikanische und gelegentlich europäische oder sowjetische Bemühungen um die Eindämmung des arabischisraelischen Konflikts zu beschreiben. Seit 1991 bezeichnet es erstmals eine tatsächlich auf Frieden hin orientierte Entwicklung.

Damit ist der arabisch-israelische Konflikt noch nicht beigelegt, aber er ist lösungsreif geworden. Beigetragen dazu hat eine Reihe sowohl regionaler wie auch internationaler Entwicklungen. Zu diesen gehört der entschiedene Realismus der PLO, der sich aus so unterschiedlichen Elementen genährt hat wie der politischen und finanziellen Krise der palästinensischen Exilführung und dem Selbstbewußtsein neuer sozialer Akteure in den besetzten Gebieten, darunter auch islamistischer Kräfte, die in der Intifada, dem palästinensischen Aufstand, ihre Kraft entdeckt hatten, nach und nach aber auch erkannten, daß sich mit Aufstand allein kein Staat machen läßt. Dazu gehörte der Regierungswechsel in Israel, mit dem 1992 die im Prinzip friedensunwillige und nur unter amerikanischem Druck an den Verhandlungstisch gezwungene LikudRegierung von der ihrerseits realistischeren Arbeiterpartei abgelöst wurde.

März 1995

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.