Ausgabe Februar 1996

Frankreichs Flirt mit der NATO

Paris ist wieder mal ein Coup gelungen: Mit der Ankündigung, Frankreich werde wieder an allen Sitzungen des NATO-Militärausschusses teilnehmen, war Außenminister Hervé de Charette der Star der Herbsttagung der Allianz. 1) Hat Paris mit dieser Entscheidung endgültig Abschied von der gaullistischen Doktrin nationaler Unabhängigkeit genommen? Welche Interessen verfolgt Frankreich und warum erfolgte dieser Schritt gerade jetzt? Schließlich: Was bedeutet er für die Entwicklung der Europäischen Sicherheitsarchitektur? Um die Gegenwart besser zu verstehen, ist oftmals ein Blick in die Geschichte hilfreich. Als General de Gaulle 1958 an die Macht kam, wurde er von der Grundüberzeugung geleitet, daß Frankreich innenpolitisch starke Institutionen brauche und außenpolitisch unabhängig werden müsse. Die bipolare Struktur des Ost-West-Konflikts stellte nach seiner Meinung nicht nur eine Gefahr für die europäische Sicherheit dar. Sie verhinderte auch, daß Frankreich die angestrebte Führungsrolle in Europa spielen konnte.

Nur ein eigenständiges, mit entsprechenden Machtmitteln ausgestattetes Europa sei in der Lage, den Hegemonialbestrebungen der Supermächte zu widerstehen und so die Voraussetzungen für ein besseres Weltgleichgewicht zu schaffen.

Februar 1996

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