Ausgabe Mai 1996

Grüne: Der lange Weg durch die Opposition

Es ist nur ein gutes halbes Jahr her, da waren sich die politischen Kommentatoren einig, daß die Partei Bündnis 90/Die Grünen als "dritte politische Kraft" (Heribert Prantl) den Platz der FDP im parlamentarischen Gefüge einnehmen würde und sich damit die politischen Gewichte in Deutschland zu einer "Mehrheit links von der Mitte" (Willy Brandt) hin verschieben würden. Angesichts der Ergebnisse dreier Landtagswahlen am 24. März 1996, die insgesamt immerhin gut einem Drittel aller Wahlberechtigten die Möglichkeit zu einem Urnengang gegeben haben, muß die politische Situation neu bewertet werden. Gegen jede Erwartung hat sich die Lage der Liberalen in allen drei Bundesländern stabilisiert: In Rheinland-Pfalz wird die Koalition mit den Sozialdemokraten unwillig, aber gemäß dem Wahlversprechen fortgesetzt werden, in Baden-Württemberg löst eine christlich-liberale Koalition die Große Koalition ab und Schleswig-Holsteins Liberale leisten sich selbstbewußt den Luxus, über eine Regierungskoalition mit der SPD nicht einmal reden zu wollen. Diese Veränderungen wirken sich natürlich auch auf die Lage der Bonner FDP aus: Während vor nicht allzulanger Zeit die Gerüchteküche vom baldigen Ende der Koalition und damit der KohlHerrschaft wissen wollte, wären derartige Spekulationen heute dem allgemeinen Gelächter preisgegeben.

Mai 1996

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien