Ausgabe Juli 1997

Euro à la francaise?

Ein „Blätter“-Streitgespräch zwischen Rudolf Hickel und Norbert Walter

Verschiebung der Europäischen Währungsunion oder Aufweichung der Teilnahmebedingungen, genannt: Konvergenzkriterien – bis vor kurzem noch schien hierzulande das eine so unvorstellbar wie das andere. Der Kanzler und sein Finanzminister hielten sich zugute, den starren Kurs gegenüber den europäischen Partnern durchgesetzt zu haben. Und in ganz Europa mühten sich Regierungen, darunter überwiegend sozialdemokratische, mit Privatisierung, Staatsverschlankung und Sozialabbau Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Landeswährung durch den Euro ersetzt wird. Wie anders erscheint die Situation nach den Parlamentswahlen in Frankreich. Die neue französische Regierung hat vier Bedingungen an die Zustimmung zur EWU geknüpft, von denen keine einzige mit der Währungsunion, wie sie sich Helmut Kohl und Theo Waigel vorgestellt haben, vereinbar ist. Über die sozialen Voraussetzungen und Folgen der Währungsunion diskutierten für die „Blätter“ Rudolf Hickel, Finanzwissenschaftler an der Universität Bremen, und Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Das Gespräch, dessen Funkversion der Westdeutsche Rundfunk am 15. Juni in der Sendung „Zeitfragen – Streitfragen“ übertrug, moderierte Christoph Wagner. – D. Red.

„Blätter“: Herr Walter, sie haben bisher den Kern der Europäischen Union reif für den Euro gehalten.

Juli 1997

Sie haben etwa 32% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 68% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo