Zuerst sah es nach medialen Turbulenzen aus. Nachdem die Sensationspresse das Objekt ihrer (und ihrer Kunden) Begierde einmal nicht nur gejagt, sondern versehentlich auch zur Strecke gebracht hatte, wurden in London Pressefotografen von den Endverbrauchern ihrer Bilder verprügelt. Zum Glück gab es bald Entlastung. Die ersten Berichte glichen Tableaus, in denen jeder auf einen anderen zeigt und "Der war's!" ruft. Der Bruder zeigt auf die Presse, die Presse auf die "Paparazzi" (das Wort kennen wir jetzt alle), die seriöse Presse auf die Sensationsblätter, die wiederum unverzagt die seriösen als gute Abnehmer solcher Fotos outet. Bis dann einer das erlösende: "Wir sind alle schuld" zu Papier bringt. Die britischen "tabloids" wissen, worauf Verlaß ist. Auf die Unfähigkeit der Royals zu erfolgreicher massendemokratischer Selbstpräsentation allemal. Die hatte auch zuvor den Stoff für das Lady-Di-Spektakel geliefert. Hinter der Schlagzeile "Warum schweigt die Queen?" lauert der Verdacht, die Royals hätten das Ende der Skandale womöglich mit klammheimlicher Freude quittiert. Das bewiese einmal mehr massendemokratische Naivität. Durch eine lebende Skandalnudel kann die Monarchie nur gewinnen, aber gegen den Mythos einer toten kommt sie nicht an.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.