Ausgabe Januar 1998

Tim und Struppi am Kongo

Rassistische Stereotype in Hergés Afrika

Die Bürgerkriege in den beiden Kongo-Staaten sind wieder weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. In ihrem Verlauf war das Agieren der Großmächte hinter den Kulissen nicht zu übersehen: so erleichterten die Vorfinanzierungen seitens US-amerikanischer Bergbauunternehmen für zwischenzeitlich abgeschlossene Milliardengeschäfte den Rebellen ihren Vormarsch auf Kinshasa, während Frankreich das Mobutu-Regime bis zum letzten Atemzuge auch militärisch unterstützte.

Dennoch wurden die Großmachtinteressen in der Berichterstattung eher zweitrangig behandelt. Vielmehr konzentrierte man sich auf die detaillierte Wiedergabe eines "Stammeskriegs", geführt von korrupten Diktatoren und ihren angetrunkenen Soldaten ohne Kampfmoral, die mordend und plündernd durch Dörfer zogen, die sie eigentlich verteidigen sollten. Angesichts der Tausenden von Opfern, unter ihnen eine Million Menschen in den Flüchtlingslagern, die seit Jahren gegen Hunger und Elend kämpfen, wurde uns gleichsam täglich vor Augen geführt, daß die Afrikaner zur Lösung dieses Chaos nicht mehr in der Lage seien.

Januar 1998

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema