Ausgabe Juni 1998

Heruntergekommen

Das Bild des Vietnamkriegs in Filmen und Fernsehserien der USA ist immer noch von jener Selbsttäuschung wider besseres Wissen geprägt, mit der die welt-führende Nation stets die eigene Geschichte verarbeitet hat, seitdem sie sich auch als die welt-leitende moralische Instanz fühlt und dies ihre Feinde blutig fühlen läßt. Sylvester Stallone, Chuck Norris, William Calley oder die GIs und Krankenschwestern von Fernsehserien wie Nam oder China Beach haben jetzt einen europäischen Mitstreiter erhalten. In seiner Reihe "Höllenfahrten" brachte das ZDF am 10. Mai das "Doku-Drama" Flucht aus Laos, in dem die Geschichte des deutschstämmigen US-Piloten Dieter Dengler erzählt wird, der bei seinem ersten Einsatz im Vietnamkrieg 1966 abgeschossen wurde, aus der Kriegsgefangenschaft entfliehen konnte und von der Navy gerettet wurde.

Der Autor des Films, Werner Herzog, erhebt durch eine zwischen Wagner und exotischen Gesängen oszillierende Musik und einen einfühlenden Kommentar (wie immer aus dem Off selbst gesprochen) Denglers Schilderungen zur Legende: "Wie Dieter Dengler das alles verkraftet hat, ist eher ein Rätsel." In der letzten Phase habe ein Bär ihn von Ferne verfolgt, erzählt Dengler, und das sei ihm wie ein Symbol des Todes vorgekommen: "Der Tod war mein letzter Freund".

Juni 1998

Sie haben etwa 31% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 69% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.