Ausgabe Juni 2000

Abrüstung am Ende?

Zur Kontroverse um die neuen Raketenabwehrpläne der USA

Nach einer Dekade der Abrüstungsbemühungen bahnt sich auf dem Gebiet der nuklearen Rüstung eine neue Konfrontation an. Im April und Mai dieses Jahres kamen die 187 Vertragsstaaten des nuklearen Nichtverbreitungsvertrages (NVV) in New York zur Beratung der alle fünf Jahre anstehenden Überprüfung des Vertrages zusammen. Dabei stand auch die Frage im Vordergrund, ob die fünf offiziellen Kernwaffenstaaten ihre Verpflichtung nach Artikel VI des Vertrages erfüllt haben, das nukleare Wettrüsten zu beenden und weitere Schritte zur vollständigen nuklearen Abrüstung zu unternehmen. Hauptthema war jedoch weniger die Abrüstung als vielmehr die neuen US-Pläne für eine landesweite Raketenabwehr (National Missile Defense, NMD), die eine neue Aufrüstung nach sich ziehen könnte. US-Außenministerin Madeleine Albright, die die Pläne der USA verteidigte, fand wenig Unterstützung. UNO-Generalsekretär Kofi Annan warnte, eine Stationierung von NMD könne "ein neues Wettrüsten und Rückschläge für die nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung zur Folge haben und neue Anreize für die Raketenverbreitung schaffen".

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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